Mein Freund und ich sind bereits 2015 auf Ibiza gewesen, aber nachdem wir beide Inseln im direkten Vergleich zueinander gesehen hatten, war schnell klar, auf welche Insel wir noch einmal zurück kommen werden.
Im folgenden Artikel möchte ich meine persönlichen Empfehlungen und Tipps über Formentera mit euch teilen und vielleicht dem einen oder anderen Lust machen, meine Lieblingsinsel auch einmal selbst zu erkunden.
Anreise
Formentera hat als kleinste Insel der Balearen mit 19km Länge und knapp 83km² keinen eigenen Flughafen, deshalb fliegt man von Deutschland erstmal nach Ibiza. Um zur südlich gelegenen kleinen Schwesterinsel zu gelangen, fährt man einfach mit dem Bus (3€) zum Hafen von Eivissa und von dort aus mit der Fähre rüber.
Es gibt verschiedene Fährunternehmen, die sich eigentlich nicht sonderlich unterscheiden. Die Schiffe sind in etwa gleich groß und kosten auch ungefähr das selbe (46,50€ p.P. wenn ihr am selben Tag hin und zurück fahrt, sonst 27€ für die einfache Fahrt), nur der Aquabus ist 10€ günstiger, aber dafür auch deutlich kleiner und nur etwas für euch, wenn ihr seefest seid! Alle halbe Stunde verlässt ein Schiff den Hafen, ihr seid also ganz flexibel und könnt euer Ticket bequem an Bord kaufen.
In La Savina (Hafen von Formentera) könnt ihr euch dann entweder einen Mietwagen, einen Roller oder ein Fahrrad leihen, denn auf die öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht wirklich Verlass. Es gibt zwar einen Linienbus, der in der Hauptsaison stündlich verkehrt, aber pünktlich ist er eigentlich nie. Außerdem solltet ihr unabhängig sein, um die Insel erkunden zu können.
Meine persönliche Empfehlung ist es, sich ein Fahrrad zu mieten. Man bekommt so viel mehr von der Insel mit, die wirklich nicht groß ist, man kann die Strecken also gut mit dem Rad zurücklegen. Die vielen Italiener, die auch gerne auf Formentera Urlaub machen, mieten sich eigentlich alle einen Roller, aber ich finde sie einfach nur nervig, denn sie verpesten die Luft, sind laut und machen die Straßen kaputt.
Unterkünfte
Große Ferienhotels und Hotelblocks werdet ihr auf Formentera nicht finden, was mir persönlich sehr gut gefällt. Es gibt dort viele einfache Pensionen, wie zum Beispiel das Hostal Pepe in Sant Ferran (bietet aber leider seit diesem Jahr kein Frühstück mehr an) oder Ferienhäuser und Fincas, welche ich euch ans Herz legen würde, wenn ihr mit mehreren Personen oder eurer Familie Urlaub machen möchtet. Wenn ihr rechtzeitig schaut, werdet ihr sicher ein gutes Angebot finden! Guckt am besten online und nicht im Reisebüro, da werdet ihr eher fündig werden.
Strände
Formentera ist auch als die kleine Karibik des Mittelmeeres bekannt und das zu Recht! Es gibt dort das klarste Wasser des Mittelmeeres und wirklich die schönsten Strände, die ich je gesehen habe, und ich bin bereits in der Karibik gewesen.
Der wohl berühmteste Strand ist der Playa de Ses Illetes, wo die Insel so schmal wird, dass man sich entscheiden kann, auf welcher Seite man ins Meer springen möchte. Es ist wirklich wunderschön dort, allerdings braucht man auch ein gutes Stück mit Roller oder Rad und dann noch zu Fuß bis man wirklich dort angekommen ist, weshalb meine persönliche Empfehlung der Strand Playa Llevant auf der anderen Seite vom Illetes ist. Der Sand und das Wasser dort sind mindestens genau so schön und ihr spart euch nochmal 15-20 Minuten an Weg.
Auch gut gefallen hat mir der Strand El Tiburon, welcher sich auf halber Strecke zum Illetes befindet. Der Strand ist dort sehr schmal, aber das Wasser ist einfach unglaublich schön.
Restaurants
Zuerst muss ich euch sagen, dass Formentera von der Atmosphäre her überhaupt nicht mit Ibiza zu vergleichen ist. Partyurlaub sucht ihr hier vergeblich, das muss man vorher wissen.
Auf der Insel gibt es den Hauptort Sant Francesc, wo ihr ein paar Boutiquen zum bummeln, Restaurant und Cafés findet. Die Verwaltung Formenteras hat dort ihren Sitz, außerdem gibt es auch noch eine recht schlichte Kirche. Ich persönlich finde nicht, dass ein Besuch dieses Ortes ein Muss ist.
Wir halten uns eigentlich immer, besonders am Abend, in Sant Ferran auf. Das Hostal Pepe hat gegenüber noch das Restaurant Fonda Pepe, wo ihr erst zu Abend essen und dann das Treiben auf der Straße vom Plastikstuhl aus mit einem Glas Hierbas in der Hand beobachten könnt. Gut gefallen hat mir auch die Pizzeria Macondo, ein bisschen weiter die selbe Straße runter, und die Bar Cervezeria, wo auch häufig mal eine Live Band spielt. Besonders im Sommer spielt eigentlich jeden Abend irgendwo eine Band, was mir besonders gut gefällt.
Wenn wir schon über Essen reden darf ich einen Ort auf gar keinen Fall außen vor lassen: Das El Pelayo am Strand Migjorn. Das wohl authentischste Strandlokal ist perfekt für einen Nachmittagssnack oder zum Tapas essen. Wichtig zu wissen ist, dass der Weg dorthin nicht beleuchtet und somit abends schwer zu erreichen ist, besonders mit dem Rad. Wir haben dort häufg nachmittags gegessen. Bitte probiert dort die selbstgemachte Aioli, ich habe in meinem ganzen Leben noch keine bessere gegessen!
Der Platja Migjorn ist ein Naturstrand und somit nicht für jeden etwas. Häufig findet man hier Posidonia im Wasser und am Strand, ansonsten ist es dort sehr schön. Über Posidonia erzähle ich euch gleich noch etwas mehr, denn diese Pflanze ist für Formentera von ganz besonderer Bedeutung.
Festivals & Hippies
Ende der 60er Jahre war Formentera auch als Rückzugsort von Europas Hippies sehr beliebt, als man sich dort noch mit wenig Geld ein neues Leben aufbauen konnte.
Noch heute leben dort viele Aussteiger, jedoch sind die Grundstückspreise mit denen von München vergleichbar, also wenig hippie-freundlich.
Jeden Mittwoch in der Hauptsaison findet ihr oben in Richtung La Mola den Hippie-Markt, wo ihr Schmuck und andere Accessoires kaufen könnt. Dorthin fährt auch der Linienbus.
Was mir besonders gefällt, ist, dass es mehrmals im Jahr verschiedene Festivals gibt. Umsonst und draußen ist doch immer gut! So finden zum Beispiel jedes Jahr im Juli das Flower Power Festival in Sant Francesc und im September das Gitarrenfestival in Sant Ferran statt. Live-Musik gehört einfach zu Formentera wie die weißen Sandstrände und das türkisblaue Wasser.
Flora & Fauna
Wenn man von Formentera spricht, dürfen zwei Bewohner der Insel auf keinen fall außer Acht gelassen werden. Zum einen leben auf Formentera ganz viele Geckos. Die kleinen Freunde haben mittlerweile einiges an Scheu abgelegt, sodass ihr vielleicht am Strand mal unerwarteten Besuch bekommen könntet. Uns kamen sie auch schon häufig am Ferienhaus besuchen, aber Angst braucht ihr keine zu haben. Manche von Ihnen sind sogar richtig schön und leuchten grün-blau in der Sonne.
Von weitaus wichtiger Bedeutung für das gesamte Ökosystem der Insel ist das am Meeresboden wachsende Neptungras, auf Spanisch: Posidonia. In einer Tiefe von bis zu 40m wächst diese Pflanze um die gesamte Insel herum und ist der größte lebende Organismus der Welt, acht Kilometer lang und 100.000 Jahre alt. Die Pflanze filtert das Meerwasser und macht es dadurch kristallklar. Noch wichtiger als das ist allerdings, dass ein Hektar Posidonia-Wiese 100.000 Liter Sauerstoff am Tag produziert und 830 Tonnen Kohlenstoff absorbiert. Dadurch unterstützt die Pflanze mit ihrer Sauerstoffproduktion 400 weitere Pflanzenarten und 1000 Tierarten. Dazu gehören Seepferdchen, Seesterne, Krebse und viele andere kleine Fische, die im Seegras Schutz vor Räubern suchen. Auch nicht zu vernachlässigen ist, dass die Posidonia mit ihren langen Wurzeln den Strand schützt, da starke Winterstürme so den Sand nicht so leicht abtragen können. (Vgl. Gabi Dräger)
Zum Glück gibt es eine Organisation, die sich den Schutz dieser Pflanze zur Hauptaufgabe gemacht hat. Wenn ihr noch mehr erfahren oder das Projekt sogar unterstützen wollt, klickt einfach auf folgenden Link: Save Posidonia Project.
so, das wars mit meinem "kleinen" Reiseführer. Ich hoffe, er hat euch gefallen und ihr könnt etwas mitnehmen für eure nächsten abenteuer. Als jemand, der gerne reist, möchte man natürlich so viel von der Welt sehen wie möglich. Trotzdem ist es schön, wenn sich manche Reisen wie "nach Hause kommen" anfühlen.
macht's gut ♥




